Sinn setzt offenbar auf den Chef des Linksbündnisses Syriza, Alexis Tsipras. Dieser sei einer der wenigen griechischen Politiker, „die die Natur des Problems verstanden haben und deshalb bereit sind, Wagnisse einzugehen“, sagte der Ökonom der Zeitung. Dass Tsipras die griechischen Reparationsforderungen gegenüber Deutschland wieder auf den Tisch lege, gehöre allerdings zu den „vielen unerfreulichen Aspekten des Geschehens“, fügte Sinn hinzu.In jedem Fall sieht der Ifo-Chef dringenden Handlungsbedarf, weil sich die Lage in Griechenland seit Jahren verschlechtere. „Die griechische Wirtschaftssituation ist unerträglich für die Bevölkerung, und die fortwährenden Neukredite sind unerträglich für die Staatengemeinschaft“, sagte Sinn dem Blatt.

Griechenland habe heute doppelt so viele Arbeitslose wie noch im Mai 2010. Damals sei der Euroaustritt des Landes unter Bruch von Artikel 125 des EU-Vertrags durch öffentliche Kredite der Staatengemeinschaft verhindert worden. Gleichzeitig habe man beteuert, das Land komme schnell wieder auf die Beine.“Die Wahrheit ist, dass Griechenland einen Einbruch der Industrieproduktion gegenüber dem Vorkrisenniveau um etwa 30 Prozent erlebt hat, dass es nach wie vor meilenweit von der preislichen Wettbewerbsfähigkeit seiner Wirtschaft entfernt ist“, sagte Sinn.So seien die griechischen Löhne doppelt so hoch wie die polnischen. Zudem fahre das Land nach dem Staatskonkurs des Jahres 2012 immer noch „riesige Staatsdefizite“ ein, die von der EU-Kommission „mühsam und trickreich geschönt“ werden müssten, obwohl die EZB alles versucht habe, die Zinsen auf griechische Staatspapiere zu drücken.

Auch andere Ökonomen wie Paul Krugman oder Nouriel Roubini zitierten den harten Schuldenschnitt Argentiniens als mögliches Beispiel für Griechenland, ebenso wie die etwas weichere Abwertung Islands in Verbindung mit der Streichung von Schulden des Finanzsektors.Bislang scheint die griechische Regierung noch entschlossen, um fast jeden Preis am in der Bevölkerung immer noch beliebten Euro festzuhalten. Finanzminister Giannis Varoufakis ging bereits vor Jahren, damals noch als Ökonom ohne politisches Mandat, auf die Debatte ein.“Argentinien liefert tatsächlich ein brilliantes Beispiel, wie eine massive Abwertung einem Land helfen kann, dem Zyklus einer Schuldendeflation zu entkommen“,schrieb Varoufakis damals in seinem Blog. Nur, leider, leider, sei das Beispiel nicht auf Griechenland anzuwenden.