So weit das positive Bild, das bei näherer Betrachtung allerdings deutliche Risse aufweist. Was genau bedeutet „gesetzlicher Mindestlohn“? In China, wo die meisten Outdoorhersteller produzieren, liegt er bei umgerechnet 122 Euro pro Monat – bei einer 48-Stunden-Arbeitswoche. Um einigermaßen über die Runden zu kommen, wären aber mindestens 288 Euro notwendig, wie die „Asia Floor Wage Alliance“ (AWF) errechnet hat. Sie tritt wie auch die FWF für existenzsichernde Gehälter in der Textilbranche ein, auch „Grundbedürfnislohn“ genannt.Aber laut Stiftung Warentest zahlt ihn noch keiner der FWF-Mitglieder. Weil der gesetzliche Mindestlohn in China, Bangladesch und Indonesien deutlich unterhalb der errechneten Grundbedürfnislöhne liegt, sind Überstunden die Regel. In der Fabrik von Salewa etwa machten die Arbeitnehmer im März 2012 im Schnitt 85 Überstunden – gesetzlich erlaubt waren nach Angabe der Stiftung Warentest maximal 36.

Einige Unternehmen ließen Fabrikbesuche gar nicht erst zu. The North Face erklärte den Prüfern, dass derzeit unter „Spitzenlast“ produziert werde und ein Besuch deshalb störe. Eine fadenscheinige Begründung, waren doch fast alle besuchten Fabriken im Untersuchungszeitraum voll ausgelastet. Maier Sports, selbst Mitglied der FWF, verweigerte ebenfalls den Zutritt zu den Produktionshallen; Berghaus, Columbia, Haglöfs und Patagonia wollten am Test gar nicht erst teilnehmen.Selbst wenn die Zustände in den Fabriken akzeptabel sein sollten, dort wird an Teilen nur zusammengenäht, was anderswo produziert wurde. Und unter welchen Bedingungen Arbeiter in den Zuliefererbetrieben Stoffe herstellen und färben, ist kaum bekannt. Den Outdoorherstellern reicht meistens eine schriftliche Zusicherung, dass Arbeitsnormen eingehalten werden, wirklich überprüft werden nur die eigenen Fabriken.

Mittlerweile werden Outdoorunternehmen, die international produzieren, auch international beobachtet, etwa von der „Kampagne für saubere Kleidung“ („Clean Clothes Campaign“) oder der AWF. Sie können sich internationalen Verhaltenskodizes unterwerfen und geraten unter Rechtfertigungszwang, wenn sie ihre Fabriken ausschließlich selbst überprüfen.Gerade die hitzige juristische Auseinandersetzung zwischen der Stiftung Warentest und Ritter Sport zeigt, wie schwer der Imageverlust einer negativen Bewertung durch Verbraucherschützer wiegt. So bleibt die Hoffnung, dass Bewegung in die Arbeitsbedingungen der Outdoorunternehmen gekommen ist. Das wäre das Mindeste in einer Branche, die mit dem Versprechen von Bewegung und Freiheit ihr Geld verdient.