Kurz vor meinem 32. Geburtstag fühle mich im Ausgang manchmal uralt. Mein Pflegebruder wird bald 16 und beginnt langsam auszugehen. Letztes Jahr habe ich ihn an ein Festival mitgenommen. Ich will ja eigentlich die «extrem coole» ältere Schwester sein, aber mir fiel es wie Schuppen von den Augen: Ich bin alles andere als cool, sondern total konservativ geworden und für meinen Bruder definitiv ALT! Wenn wir was zu trinken bestellen, frage ich mich: «Möchte er wohl ein Bier? Soll ich ihm eines anbieten? Der hebt mit seinen Jungs doch eh ab und zu eins. Aber er ist noch nicht 16, ich mache mich strafbar! Was tu ich, wenn er sich übergeben muss und ich schuld bin?» Also bestelle ich ihm eine Cola und denke, ich würde sterben, wenn ich ihn je mit einer Zigarette sähe.

So geht es mir oft: Ich sehe die 20-Jährigen im Club und frage mich, was die eigentlich machen. Sie singen lauthals Lieder mit, die ich nicht kenne, trinken direkt aus der Wodkaflasche (woher haben die 400 Stutz für eine Grey Goose?!), und die Girls sind zu einem grossen Teil so gestylt, als wäre morgen ihr letzter Tag auf Erden und sie möchten vor der Apokalypse unbedingt noch einen männlichen Partner zur Vereinigung finden.Ende 2012 war ich mit einer jüngeren Kollegin unterwegs. Wir tanzten ausgelassen, als mich ein Typ von hinten anstupst und mir etwas wie «Häsch dkaödöashkd..» ins Ohr brabbelt. Ich so: «Was?!» Er: «Häsch scho eine?» Ich: «??….!!» Der Jüngling: «Mann, häsch scho en Typ?» Ich gebe es zu, ich fühlte mich geschmeichelt, dass dieser knapp aus der Lehre gekommene Adonis mich offensichtlich anmachte. Der zweite Gedanke war aber: «What??! Ist das im Ernst die Art, wie der die Mädels im Club anspricht? Geht da irgendeine darauf ein? Und wenn ja, wie? Sagt vielleicht eine: «Nö, ich habe noch keinen, willst DU meiner sein?»

Als ich 18 war, beinhaltete die frechste Anmache das Antanzen von hinten – das war zwar auch blöd, weil man sich irgendwie überfallen fühlte und dabei auch nicht sah, ob hinter einem Frankenstein oder Magic Mike tanzte, aber irgendwie hatte es doch ein Quäntchen mehr Klasse. Es hat sich viel verändert. Auch das hört sich nach Grosi an, ist aber wahr.Vielleicht ist bald die Zeit gekommen, nur noch Ü-30-Partys zu besuchen. Schliesslich will ich niemals so enden wie die schrägen Omas, die mit kurzen Hotpants und roten Zöpfli rumrennen oder die Alten, die sich an der Street Parade im Tanga die Seele aus dem Leib tanzen. Ich möchte einen würdigen Feier-Abgang hinlegen. Bis dann zeige ich den Party-Newcomern aber noch, wie man einen ordentlichen «All The Single Ladies» aufs Parkett legt. Da macht mir keiner so schnell was vor.