Die 25 Meter lange vollverglaste Terrasse, die über dem hunderte von Metern tiefen Abgrund schwebt, ist eine kinoreife Panoramawand ins ewige Weiß. Eine Stahltreppe führt noch ein paar Meter höher zu einer 360 Grad Aussichtsplattform, die einen Blick auf über 50 Dreitausender-Gipfel erlaubt. Ein Fernrohr mit Gipfelanzeiger und Höhenmesser hilft bei der Orientierung.Bei gutem Wetter wie heute kann man sogar 90 km weit schauen – bis auf die Zugspitze in Deutschland, die Dolomiten in Italien und die Gipfel von St. Moritz in der Schweiz“, sagt Sepp Eiter, ein geselliger Ur-Pitztaler und die Seele des Cafés 3.440. Als eines von sieben Bergbauern-Kindern hat er den Aufschwung seiner Heimat zu einer Wintersport-Hochburg in den 80er Jahren miterlebt – er selbst wurde quasi mit Skiern an den Füßen geboren. „Nirgends fahre ich so gern Ski wie hier, am liebsten auf dem Brunnenkogel“, erzählt er, während er eine Prise Tabak schnupft.

Als Gastwirt hat er den höchsten Arbeitsplatz Österreichs. Die fast 3500 Höhenmeter und der niedrigere Luftdruck bergen ihren Tücken, was die Küche angeht. Die Torten, Strudel, Sandwiches und Suppen werden auf der tiefer gelegenen Mittelstation von der hauseigenen Konditorei hergestellt – die frischen Käse- und Speckknödel, die die herzhaften Suppen veredeln, waren die größte Herausforderung. „Auf dieser Höhe kann man nicht richtig kochen“, weiß er. „Das Wasser siedet hier bei 82 bis 87 Grad. Unmöglich also, wegen der Eigerinnung einen Knödel im Wasser gar zu kochen – ein Heißluftofen musste her.“Am meisten freut sich der Weinliebhaber jedoch, seinen Gästen bei den immer wieder stattfindenden Weinverkostungen zu demonstrieren, wie anders seine guten, österreichischen Tropfen in der Höhe und im Tal schmecken. „Aufgrund des niedrigeren Luftdrucks hier schmecken die Weine viel duftiger und milder.“

Auf der Mittelstation jedoch wird der Höhenrausch jäh auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Es geht auf die drei Uhr zu, die Après-Ski-Zeit beginnt. Aus den Boxen an der Bar draußen donnert schlimmste Ballermann-Musik, die erst unter den geübten Händen des Masseurs im Hotel-Spa endlich verblasst. Doch kaum sitze ich beim Abendessen und genieße die erstklassige Küche im Hotel Vier Jahreszeiten, dringt wieder – nur leiser – deutsches Schlager-Ungemach in mein Ohr.Liebe Österreicher, Ihr habt doch so wunderbar atmosphärische, einheimische Musikerjungs wie Kruder & Dorfmeister, warum tut ihr euch in dieser majestätischen Bergwelt nur diese akustische Luftverschmutzung an?