Ist Düsseldorf eine Stadt voller brachialer Luxusgruftis? Tragen Düsseldorfer rot-weiße Karos? Und wenn, dann mit Nena-Jacke drüber? Oder mit Designer-Jackett? Viele Fragen – und noch mehr besorgniserregende Ladenneuheiten. Jüngst eröffnete die erste Deutschlandfiliale der holländischen Kette Suitsupply. Sie preist sich, Anzüge für „unter 400 Euro“ zu verkaufen, die wirkten, als würden sie über 1000 Euro kosten. Die martialische Ansage zum Start: Man wolle „etablierte Marken das Fürchten lernen“ (sic!). Killeranzüge aus Düsseldorf, dazu Totenkopf-Glamour, Muskelmänner und „grimmiges“ Parfum? Holla! Das Thema regionale Modestile scheint mehr als brisant. Wer nach Menschen sucht, die das Phänomen erklären könnten, stößt auf: nichts. Beim Düsseldorfer Fashion-Blog „Modedorf“ stammt der letzte Eintrag von September 2011. Der Macher ist nicht zu erreichen.

 Fell kommt, wenn überhaupt, nur sparsam zum Einsatz. Die Flora und Fauna der Arktis steht unter Naturschutz, nur die Inuit dürfen dort heute noch jagen: Aber der Rückgang der Karibu-, Robben- und Eisbärpopulationen macht auch für sie das Fell seltener und kostbarer. Zudem sind Stoffjacken pflegeleichter.Nach wie vor verbringen die Babys und Kinder der Inuit die ersten vier Jahre größtenteils in der Kapuze des Amauti-Parkas ihrer Mutter. Neugeborene liegen darin nur in einen Baumwollstrampler gehüllt und werden von der Wärme der Mutter auch bei Eiseskälte auf Körpertemperatur gehalten. Kleinkinder stehen in der Kapuze, halten sich an den Schultern der Mutter fest und schauen von dort in die Welt.Wenn sich jemand mit den Feinheiten nördlichster Schneiderkunst auskennt, ist es Apphia Killiktee. Sie trinkt im Speiseraum der örtlichen Herberge gerade Tee. Die dunkelhaarige Frau mit dem freundlichen Gesicht, die auf die Frage nach ihrem Alter lächelnd mit „alt genug“ antwortet, ist eine der angesehensten Näherinnen der Gemeinschaft und somit eine wichtige Autoritätsperson. Ihre Fähigkeiten klingen für europäische Standards fast nach Zauberei: Apphia Killiktee kann einen perfekt sitzenden Parka fertigen, ohne den zukünftigen Träger auch nur einmal zu berühren. Sie nimmt nur per Auge Maß. Hochstapelei kann sie sich wie niemand hier leisten: „Wenn etwas nicht sitzt, kann der Träger der Jacke seine Aufgaben für die Gemeinschaft nicht mehr erledigen“, erklärt sie.

Gerade arbeitet sie an 32 Jacken für das örtliche Rettungsteam. Für sie müssen die Parkas hinten länger sein als vorn, damit die Fahrer der Snowmobile auf den Rockschößen sitzen können und sie nicht nach hinten wegwehen. Bei den Amountis der Mütter wiederum müsse die Hals- und Schulterpartei besonders sorgfältig gefertigt werden, damit es in diesem Bereich nicht zu Verspannungen kommt. Funktionalität, so die arktische Chefdesignerin stehe über allem, aber „jeder hat seinen eigenen Style“. Der Funktionswert leuchtet sofort ein – Fehler und verpasste Chancen haben in der Arktis weitreichendere Konsequenzen als in den meisten anderen Teilen der Welt. Ob etwas planbar, lieferbar oder erreichbar ist, hängt auch von unbeeinflussbaren Faktoren ab – meistens vom Wetter, und das ist hier meistens nicht nur ungemütlich, sondern menschenfeindlich.